Und Engel haben doch Facebook ...

Wenn zwei Jugendliche nach dem Abitur lieber ins Kloster fahren anstatt Party zu machen, werden sie von so ziemlich Jedem komisch angeguckt. Wir, Enno und Patricia, haben es trotzdem getan – aber es geht ja auch nicht um irgendein Kloster, sondern um die Communauté von Taizé.

Dabei handelt es sich weniger um das, was man sich klassischerweise unter einem Kloster vorstellt, sondern vielmehr um ein riesiges Festival. Das ganze Jahr über treffen sich dort bis zu 4000 junge Menschen pro Woche aus aller Welt, um dreimal täglich eine Andacht zu feiern, Neues von den Brüdern des Klosters zu lernen, sich auszutauschen, über Gott und den Glauben zu diskutieren und viel zu singen. Durch die abgelegene Lage des Dorfes, die internationale Gemeinschaft und das radikal andere Leben scheint dieser Ort kaum ein Teil der uns bekannten Welt zu sein, wodurch man die Möglichkeit erhält, einmal vollkommen anders über sich und das eigene Leben nachzudenken. Wem das noch nicht genug ist, steht die Möglichkeit offen, auch einige Zeit in der Stille zu verbringen, um sich noch intensiver mit den wichtigen Fragen des Lebens auseinander zu setzen.

Übernachtet wird dabei in Zelten oder großen Schlafsälen. Für die Nachtruhe sorgen die Jugendlichen genauso wie für den Verkauf im Kiosk Oyak, den Abwasch und das Putzen.

Während unseres ersten Aufenthaltes dort, redeten wir unter anderem viel mit anderen Jugendlichen über die Existenz und die verschiedenen, teils sehr persönlichen Vorstellungen von Engeln. So glaubten die Einen an perfekte Gestalten mit weißen Flügeln, während sie für Andere nur von Gott berührte Menschen waren, die sich kurzzeitig für einzelne Personen wie Engel verhalten.

Bei unserem zweiten Besuch in Taizé trafen wir dann drei Menschen, die genau das für uns waren: Engel! Sie erzählten uns von ihren Begegnungen mit Gott und erfüllten tatsächlich einige persönliche Bitten, die wir zuvor nur in Gebeten geäußert hatten. Heute können wir sie jederzeit auf Facebook erreichen, wenn wir ihre Hilfe benötigen ...

Das, was Taizé neben den vielen sehr individuellen Geschichten und Begegnungen so besonders macht, ist das überwältigende Gefühl bei den Andachten, wenn man mit tausenden anderen Jugendlichen zusammen still wird, singt, betet und einmal die Woche dabei auch ein Lichtermeer entzündet. Während dieser Zeit herrscht eine sehr meditative Stimmung, ein großes Gemeinschaftsgefühl und für manche auch eine nahezu greifbare Anwesenheit von Gott.

(ein Bericht von Patricia Bison und Enno Röhig | Dezember 2013)